Projekt: Unfallprävention im Kindesalter

Ziele:
In Deutschland besteht, im Gegensatz zu den europäischen Nachbarn, kein ausreichendes und zuverlässiges Wissen über die Inzidenz (Neuauftreten) der verletzten Kinder im Heim- und Freizeitbereich. Daher erfolgte mit dem Forum Unfallprävention im Deutschen Grünen Kreuz eine Kooperation als Modellregion. In Delmenhorst wurde unter wissenschaftlicher Leitung des Landesgesundheitsamtes Brandenburg (Frau Dr. Ellsäßer) in Zu- sammenarbeit mit der Kinderklinik Delmenhorst (Dr. Böhmann) ein Unfallmonitoring für Kinderunfälle entwickelt. Es wurden seit Anfang 1998 bis Ende 2002 alle verletzten Kinder in der Altersgruppe von 0 – 15 Jahren in der Stadt Delmenhorst erfasst, die im Krankenhaus sowohl stationär als auch in den Notfallambulanzen ambulant ärztlich behandelt wurden. Diese Datenerfassung ist neu seit dem 01.01.2006 wieder aufgenommen worden.

Ziel der regionalen Unfallanalyse war von Beginn an eine wirkungsvolle und gezielte Intervention anhand von Unfallschwerpunkten und Risikogruppen mit Hilfe eines möglichst zeitnahen und umfassenden Unfallmonitorings.Die ideale Organisationsform erschien eine Arbeitsgemeinschaft oder Runder Tisch für Unfallprävention
im Kindesalter.

Runder Tisch für Unfallprävention im Kindesalter:
Im Februar 2000 wurde die Einrichtung des "Runden Tisches für Unfallprävention im Kindesalter" unter dem Motto "Daten für Taten" gegründet. Zunächst mit der Absicht, alle in der Kinder- und Jugendarbeit tätigen Akteure in Delmenhorst über die ersten Ergebnisse des Unfallmonitorings zu informieren sowie eine Etablierung der Unfallprävention innerhalb der Behörden und Institutionen zu erreichen. Eine Vernetzung von unterschiedlichen Institutionen schien auch vor dem Hintergrund des Informationsaustausches, Koordinierung und Bündelung der Aktionen, sowie längerfristig für die Entwicklung neuer Projekte und Aktivitäten sinnvoll und effektiv. Die Treffen des Runden Tisches finden seitdem ungefähr 4 bis 5mal pro Jahr statt.

Kooperationspartner: Bei dem Runden Tisch handelt es sich um ein Netzwerk im Bereich der Gesundheitsförderung. Und Netzwerke verändern und entwickeln sich, sowohl hinsichtlich der Zusammensetzung als auch der Themenschwerpunkte.

Schwerpunkte der Arbeit:
Bevor erste zuverlässige epidemiologische Daten vorlagen, wurde aufgrund von Erfahrungen, vermuteter Unfallhäufungen und vorliegender internationaler Daten mit regionalen Interventionen begonnen. So war zunächst bei Gründung des Runden Tisches im Februar 2000 die Spielplatzsicherheit auf öffentlichen Spielplätzen ein Arbeitsschwerpunkt. Wichtiger Kooperationspartner war zu dieser Zeit das Amt für Gartenbau (Stadtgrün), welches für die Überwachung und Betreuung der öffentlichen Kinderspielplätze verantwortlich ist. Als sich jedoch durch die Analyse der Unfalldaten herausstellte, dass Spielplatzunfälle in Delmenhorst nur eine geringe Inzidenz aufwiesen, jedoch auffallend viele Kinder zuhause verunfallen, konnte daraufhin der Fokus der Intervention in den häuslichen Bereich verlagert werden.

Die weiteren Arbeitsschwerpunkte umfassten anschließend die passive Sicherheit im häuslichen Umfeld von Kindern. Als KooperationspartnerInnen waren dabei Vertreter der Feuerwehr, der Schwimmvereine, des DLRG, der Verkehrswacht, des Deutschen Roten Kreuzes, des ADAC sowie Hebammen eingebunden. Es wurde beispielsweise das Projekt "Erste sichere Fahrt" in Zusammenarbeit mit dem ADAC entwickelt um auf die große Bedeutung der Kindersicherheit im Straßenverkehr hinzuweisen. Dafür wurden 20 Babysitzschalen angeschafft, die auf beiden Delmenhorster Entbindungsstationen für einen Monat kostenlos ausgeliehen werden können. Ebenfalls noch im Säuglingsalter setzt die Beratung der Hebammen für die werdenden Eltern im Rahmen der Geburtsvorbereitungskurse über Kindersicherheit an.

Über Spendengelder wurde eine sogenannte "Riesenküche" angefertigt, die eindrucksvoll durch veränderte Proportionen der Möbel, für Erwachsene den besonderen Gefahrenschwerpunkt Küche aus der Sicht eines Kleinkindes, wie etwa hohe Arbeitsplatten, zum Hochklettern einladende Schubladen etc. darstellt.

Durch die Mitarbeit von Vertretern der Feuerwehr fließen Sachkenntnis und Problembewusstsein zum vorbeugenden Brandschutz in die Diskussion ein und bedeuten kompetente Informationen u.a. zur Bauordnung sowie Qualität und Notwendigkeit von Feuermeldeeinrichtungen.

Nach dem Prinzip der Förderung der aktiven Sicherheit von Kindern hat sich in den letzten drei Jahren in der Arbeitsgemeinschaft immer mehr der Arbeitsschwerpunkt "Bewegungsförderung" herausgebildet. Schulen, Kindergärten und Vereine als Lebenswelten von Kindern stellen für die Beeinflussung der aktiven Sicherheit durch Bewegungsförderung ein wichtiges Handlungsfeld dar. Kooperationspartner sind die Motopäden des Sprachheilkindergartens, die Fachberaterin für den Schulsport, Lehrer, VertreterInnen der Delmenhorster Sportvereine, sowie des Stadtsportbundes. Weitere wichtige KooperationspartnerInnen sind die Erzieherinnen aus den Kindergärten. Die Akteure des Handlungsfelds "Bewegungsförderung" haben das erfolgreiche Projekt "Kinderwelt ist Bewegungswelt" ins Leben gerufen. Es wurde für Kinder entwickelt, die sowohl im Schulsport als auch im leistungsorientierten Vereinssport eher geringe Möglichkeiten zur Entfaltung haben und deren Motivation zur Bewegung mit zunehmendem Alter dadurch abnimmt.

Sicherung des mittel- und langfristigen Erfolges:
Zur Sicherung des mittel- und langfristigen Erfolges und um die jahrelange Arbeit des Runden Tisches für Unfallprävention im Kindesalter auf eine solide und nachhaltige Basis zu stellen, soll im Jahr 2006 ein Antrag auf Aufnahme in das Programm der "Safe Communities" der WHO formuliert werden. Die von der WHO entwickelten Kriterien sind von den bestehenden des Programms "Healthy Cities" auf das Unfallproblem in einer Gemeinde projiziert worden.

Kriterien für die Aufnahme in das Programm der "Safe Communities": Links:
www.kindersicherheit.de
www.dgk.de